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NATURHEILPRAXIS
MARIA B. SCHÄFGEN

Wie es kam, dass ich Homöopathin geworden bin...

Als ich 15 Jahre alt war hatte ich ein dickes Knie. Ich konnte es nicht gut beugen und hatte starke Schmerzen. Mein Vater nahm mich mit zu einem Heilpraktiker im Nachbardorf: Günter Bolle in Zell/ Mosel. Herr Bolle sah sich mein Knie an und gab mir 5 Kügelchen. Das war alles. Von Tag zu Tag wurde mein Knie besser. Nach 1 Woche war es wieder wie vorher. Dieses Resultat fand ich so beeindruckend, dass ich mich entschied, ebenfalls Heilpraktikerin zu werden.
Ich brachte in Erfahrung, dass man dazu eine Schule besuchen müsste und ließ mir die Unterlagen der größten Ausbildungsinstitute zuschicken. So habe ich dann erfahren, dass man frühestens mit 25 Jahren Heilpraktikerin werden kann. Damals war ich darüber sehr traurig. Was sollte ich denn jetzt die nächsten 10 Jahre lang machen? So vergaß ich meinen Berufswunsch wieder, machte mein Abitur und begann, in Trier Psychologie zu studieren. Die Idee, homöopathische Heilpraktikerin zu werden trat vollkommen in den Hintergrund. Ich studierte und lebte ein normales Studentinnenleben. Ich fand mein Studium sehr unpraktisch, im Grundstudium lernt man überwiegend Statistik und viele Theorien und noch viel mehr über Versuche, in denen Ratten schlecht behandelt wurden. Naja, aber ich hatte keine andere Idee, was ich denn machen könnte. Dann bekam ich furchtbaren Liebeskummer. Ich war die sehr sehr gute Freundin eines Kommilitonen geworden, der bereits eine Freundin hatte, die aber in einer anderen Stadt studierte, weshalb sie sich nicht oft gesehen haben, während wir beide uns jeden Tag mehrmals sahen und nicht nur dieses. Mein Kommilitone wollte seine Freundin nicht verlassen, konnte aber auch seine Finger nicht von mir lassen, und da wir eine Lerngruppe waren und uns dauernd sahen, war die Situation einerseits sehr aufgeheizt, andererseits sehr unbefriedigend, wenn Sie verstehen, was ich meine.... Ich befand mich dauernd in einer sehnsuchtsvollen Wartestellung. Es ging mir wirklich schlecht. Ich wollte nichts mehr essen, dachte, ich wäre zu unattraktiv, zu unelegant, zu unerotisch usw. Man sah mir meinen Kummer wohl auch an, denn als ich mal wieder meine Eltern besuchte, geriet mein Vater sehr in Sorge über meinen Zustand und nahm mich mit zu Herrn Bolle. Dieser fragte gar nicht viel, brabbelte etwas vonwegen "Ich kenne meine Pappenheimer" und gab mir fünf Kügelchen.
Von diesem Moment an änderte sich mein Leben schlagartig. Ich wurde so unglaublich wütend und gleichzeitig so unglaublich konsequent, dass ich diese unselige Menage a trois augenblicklich beendete. Gleichzeitig erinnerte ich mich an meinen ursprünglichen Berufswunsch und beschloss, mein Studium nach dem Vordiplom zu beenden, um Heilpraktikerin zu werden! Genau das habe ich dann auch getan.
Ich habe später erfahren, dass es sich bei homöopathischen Arznei um Staphisagria C 200 gehandelt hat. Staphisagria gilt als homöopathisches Rohrfrei und man gibt es häufig, wenn sich Menschen in quälenden, demütigenden Konstellationen befinden. Das kann sich sowohl auf das Berufsleben, aber auch auf das Liebesleben beziehen. Im Nachhinein war es, als ob mich eine sehr große Kraft in einem rasenden Tempo zu einer 180 ° Wendung gebracht hätte.

Vor einigen Jahren habe ich übrigens meinen damaligen Kommilitonen wieder getroffen. Er kam zu einem Vortrag, den ich über Homöopathie und Liebe gehalten habe. Das war sehr schön. Wir haben uns wieder vertragen und sind heute noch gut befreundet. Im Nachhinein findet er es auch ziemlich doof, was er damals gemacht hat. Und mein Studium habe ich vor einigen Jahren wieder aufgenommen. Jetzt habe ich ja einen Beruf, der mir gefällt und kann das mit der Statistik locker sehen.

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